Fritzi Haberlandt

Fritzi Haberlandt ist eine der besten Schauspielerinnen, die Deutschland hat. Ob auf der Bühne, im Kinofilm, in einer Fernsehproduktion, bei einer Lesung oder im Gespräch, immer ist sie ganz gegenwärtig, man spürt ihre Begeisterung für die Rolle, die sie spielt, die Haltung, mit der sie sich einen Text aneignet, die Intensität, mit der sie die Sprache durchdringt. Wie man von einem Gedicht sagt, es stehe in der Zeit, in der Bedeutung: es ist da, geschrieben, es hat eine Namenskraft, eine Hervorbringerkraft, so bewundert man bei Fritzi Haberlandt die ‹Einmaligkeit in Person›, wie Mario Adorf in seiner Laudatio auf die Schauspielerin betonte. Sie läßt sich nicht auf einen Typus festlegen, spielt melancholische, ernste, todtraurige, verzweifelte, zerrissene Figuren und kann auch das heitere, spielerische, zarte, verträumte Mädchen spielen, das auch mal Quatsch macht und zum Übermut neigt. Daß sie diese Gegensätze aushält, das ist wohl ihrer großen Offenheit und Neugier, ihrer Herzlichkeit und warmen Rauheit, ihrer eigenen Verletzlichkeit geschuldet, die den Kern ihrer Schauspielkunst begründen, eine tief verwurzelte Leidenschaft, eine große Direktheit und eine faszinierende Mädchenhaftigkeit. Dann erzählt sie: ‹Ich lebe seit sieben Jahren im Wald. Wenn es windstill ist, kann ich das Blut in meinen Ohren pochen hören› und spricht von Kräutern, Blumen und Gemüse, die sie in ihrem Garten anbaut, um dann zu sagen: ‹Ich will einen Kartoffelacker anlegen, bei meinem Bruder, der hat nämlich mehr Platz. Deshalb kriegt er auch den häßlichen Kartoffelacker›, da ist er wieder, der Haberlandt-Ton. Fritzi Haberlandt gastierte nach ihrem Studium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch am Berliner Ensemble, am Burgtheater Wien, am Deutschen Theater Berlin und war fest am Thalia Theater Hamburg und am Maxim Gorki Theater engagiert, wo sie mit den Regisseuren Robert Wilson, Michael Thalheimer, Stephan Kimmig, Dimiter Gotscheff, Christoph Schlingensief und Jan Bosse arbeitete. 2015 sieht man sie als Gast am Stuttgarter Schauspielhaus und dem Deutschen Theater Berlin in ‹Herbstsonate› von Jan Bosse und in ‹Das Versprechen› von Armin Petras am Maxim Gorki Theater Berlin. Für die Hauptrolle in dem Film ‹Kalt ist der Abendhauch› erhielt sie im Jahr 2000 den Bayerischen Filmpreis, 2004 wurde sie für ‹Liegen lernen› mit dem Deutschen Filmpreis als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet, 2007 erhielt sie für ‹Ein spätes Mädchen› den Hessischen Fernsehpreis und wurde 2012 für den Film ‹Eine Insel namens Udo› mit dem Ernst-Lubitsch-Preis ausgezeichnet.

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Schloß Wendlinghausen − 5. Juli 2014